Barrierefreie Website: Warum Web Accessibility mehr ist als ein nettes Extra

Vielleicht hast du den Begriff schon gehört – barrierefreie Website – und gedacht: Das ist doch was für große Konzerne und Behörden. Nicht für mich als Selbständige.

Tja, könnte man denken. Aber ich bring’s mal auf den Punkt: Diese Einschätzung kostet dich Reichweite, Vertrauen – und kann unter Umständen auch rechtliche Probleme verursachen.

In diesem Beitrag erfährst du, was Barrierefreiheit im Web wirklich bedeutet, warum sie für dein kleines Business wichtiger ist als du denkst, und was du konkret tun kannst – ohne dass es dich überfordert.

Eine Frau liegt entspannt auf dem Sofa und surft auf ihrem Smartphone. So sieht ein typischer Website-Besuch im Alltag aus – und genau deshalb muss eine barrierefreie Website auch mobil einwandfrei funktionieren.
 


 

1. Was eine barrierefreie Website wirklich bedeutet

Das Wort klingt technisch, fast ein bisschen bürokratisch. Dabei ist das Grundprinzip dahinter eigentlich ganz menschlich:

Eine barrierefreie Website ist eine Website, die von möglichst vielen Menschen genutzt werden kann – unabhängig davon, ob sie gut sehen, hören oder eine Maus bedienen können.

Im Web spricht man von Web Accessibility – auf Webchinesisch abgekürzt als WCAG (Web Content Accessibility Guidelines). Das sind internationale Richtlinien, die beschreiben, wie Websites gestaltet sein sollten, damit sie für alle zugänglich sind.

Aber vergiss die Abkürzungen kurz. Die eigentliche Frage ist: Kann jemand, der deine Website besucht, sie auch wirklich nutzen? Kann die Person lesen, was du schreibst? Kann sie den Kontaktbutton finden? Kann sie ein Formular ausfüllen, ohne frustriert aufzugeben?

Darum geht’s.

 

2. Wer von einer barrierefreien Website profitiert – nicht nur Menschen mit Behinderungen

Hier ist der Teil, den viele nicht auf dem Schirm haben: Web Accessibility ist nicht nur für Menschen mit dauerhaften Einschränkungen gedacht. Sie hilft einer viel breiteren Gruppe, als du vielleicht glaubst.

Menschen mit dauerhaften Einschränkungen

In Deutschland und Österreich lebt etwa jeder fünfte Mensch mit einer anerkannten Behinderung. Dazu kommen Sehschwächen, die mit einer Brille nicht vollständig korrigiert werden können, Farbenblindheit (betrifft ca. 8 % der Männer), motorische Einschränkungen oder Lernschwächen wie Legasthenie.

Das sind keine Randgruppen. Das sind potenzielle Kundinnen und Kunden von dir.

Menschen in bestimmten Situationen

Und dann gibt es alle, die vorübergehend oder situationsbedingt auf eine zugängliche Website angewiesen sind:

  • Jemand, der gerade draußen ist und sein Display in der Sonne kaum lesen kann

  • Ein Mensch, der sich sein gebrochenes Handgelenk eingegipst hat

  • Ältere Menschen, denen es schwer fällt, kleinere Schrift zu lesen

  • Menschen, die nicht Muttersprachler sind und einfachere Sprache bevorzugen

All diese Personen profitieren von einer Website, die gut strukturiert, gut lesbar und intuitiv bedienbar ist. Kurz gesagt: von einer barrierefreien Website, die ihren Job macht.

 

💡 Denkanstoß

Stell dir vor, du bist Physiotherapeutin und willst über deine Website neue Patientinnen und Patienten gewinnen. Deine wichtigste Zielgruppe sind Menschen ab 50 – mit typischen Beschwerden wie Rückenschmerzen oder eingeschränkter Beweglichkeit.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Personen deine winzige Schriftgröße oder deinen schwachen Kontrast einfach hinnehmen? Oder dass sie sich durch einen nicht tippbaren Kontaktlink auf dem Smartphone durchkämpfen?

Richtig: Sie gehen einfach zur nächsten Website.

 
Eine ältere und eine jüngere Person sitzen gemeinsam auf dem Sofa und schauen auf ein Tablet. Eine barrierefreie Website ist für alle Altersgruppen gut nutzbar – nicht nur für junge, technikaffine Menschen.
 

3. Was der European Accessibility Act für dich als Selbständige bedeutet

Hier wird’s kurz offiziell, aber ich verspreche: nur kurz.

Seit einigen Jahren gibt es in der EU den European Accessibility Act (EAA), auch bekannt als Europäische Barrierefreiheitsrichtlinie. Dieser schreibt vor, dass digitale Produkte und Dienstleistungen ab dem 28. Juni 2025 bestimmte Anforderungen an die Web Accessibility erfüllen müssen.

Die Umsetzung ins nationale Recht sieht je nach Land etwas anders aus:

In Deutschland regelt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) die Anforderungen. In Österreich ist es das Barrierefreiheitsgesetz (BaFG). Und in Italien – also auch für Kunden aus Südtirol relevant – gibt es gleich zwei Rechtsgrundlagen: die Legge 4/2004, bekannt als Legge Stanca, sowie das Decreto Legislativo 82/2022, das den EAA ins italienische Recht überführt hat.

Was bedeutet das konkret für dich?

Für sehr kleine Unternehmen gelten aktuell Ausnahmen. In allen drei Ländern sind Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten weitgehend ausgenommen. In Italien gilt die Pflicht ab dem 28. Juni 2025 für Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitenden oder einem Jahresumsatz von über 2 Millionen Euro.

Aber: Das Gesetz entwickelt sich weiter. Und selbst wenn du heute nicht direkt betroffen bist, kann das morgen schon anders aussehen. Wer seine Website frühzeitig barrierefrei macht, hat einen klaren Vorteil – und keine bösen Überraschungen.

Außerdem: Abgesehen von der Rechtslage ist eine barrierefreie Website schlicht gute Praxis. Und sie zahlt sich aus – mehr dazu gleich.

 

ℹ️ Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag ist wie immer keine Rechtsberatung. Wenn du dir unsicher bist, ob und wie die aktuellen Vorgaben für dein Business gelten, empfehle ich dir, eine Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen oder die offiziellen Quellen deines Landes zu konsultieren.

Österreich: www.bfg.gv.at  |  Deutschland: www.bfsg.de | Italien:www.agid.gov.it

 

4. Die häufigsten Barrieren auf kleinen Websites

Ich schaue mir regelmäßig Websites von Solopreneuren und kleinen Unternehmen an. Und immer wieder sehe ich dieselben Baustellen. Keine Kritik – einfach Realität. Die meisten davon entstehen nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil niemand je erklärt hat, worauf es beim Thema Web Accessibility ankommt.

1. Zu geringer Kontrast zwischen Text und Hintergrund

Hellgrauer Text auf weißem Hintergrund sieht elegant aus – aber er ist für viele kaum lesbar. Das gilt besonders für Menschen mit Sehschwäche oder in heller Umgebung.

Was hilft: Ausreichend Kontrast zwischen Textfarbe und Hintergrundfarbe. Die WCAG empfiehlt ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1 für normalen Text. Es gibt kostenlose Online-Tools – zum Beispiel den WebAIM Contrast Checker – mit denen du das einfach prüfen kannst.

Zwei Laptop-Bildschirme nebeneinander zeigen denselben Text: links kaum lesbar in hellem Grau, rechts gut lesbar in dunklem Anthrazit. Der Vergleich zeigt, wie entscheidend ausreichend Kontrast für die Lesbarkeit und Web Accessibility ist.

2. Bilder ohne Alt-Text

Jedes Bild auf deiner Website sollte einen sogenannten Alt-Text haben – eine kurze Beschreibung des Bildes im Hintergrund des Codes. Dieser Text wird von Screenreadern vorgelesen (Programme, die blinden Menschen Inhalte vorlesen) und erscheint, wenn ein Bild nicht geladen werden kann.

Ohne Alt-Text liest ein Screenreader entweder gar nichts vor oder einen kryptischen Dateinamen. Beides hilft niemandem – und schadet nebenbei auch deinem Google-Ranking.

In Squarespace lässt sich der Alt-Text ganz einfach direkt im Bild-Editor eingeben.

3. Links, die nichts aussagen

Hier klicken. Mehr lesen. Weiter.

Diese Formulierungen klingen für sehende Menschen, die den Kontext kennen, vielleicht in Ordnung. Aber für jemanden, der mit einem Screenreader durch die Seite navigiert, werden Links oft einzeln aufgelistet vorgelesen – komplett ohne Kontext.

Was hilft: Beschreibende Links. Statt Hier klicken lieber Jetzt kostenloses Kennenlerngespрäch buchen oder Mehr über meine Arbeitsweise erfahren.

4. Formulare ohne beschriftete Felder

Du kennst das vielleicht: Ein Kontaktformular mit Feldern, die keine sichtbare Beschriftung haben – nur ein Platzhaltertext im Feld, der verschwindet, sobald man zu tippen beginnt. Klingt nach einer Kleinigkeit, ist es aber nicht.

Für Menschen, die mit der Tastatur navigieren oder einen Screenreader nutzen, fehlt dann jegliche Information, was in das Feld gehört. Das führt zu Verwirrung – und oft dazu, dass das Formular nicht ausgefüllt wird.

5. Schriftgrößen, die auf dem Handy zu klein werden

Viele Websites sehen am Desktop wunderbar aus – aber auf dem Smartphone schrumpft der Text auf eine Größe, bei der man die Augen zusammenkneifen muss. 16px sind die empfohlene Mindestgröße für Fließtext. Alles darunter macht das Lesen unnötig anstrengend.

6. Videos ohne Untertitel

Wenn du Videos auf deiner Website hast – sei es ein Vorstellungsvideo, ein Tutorial oder ein Testimonial – solltest du Untertitel anbieten. Nicht nur für Menschen mit Höreinschränkungen, sondern auch für alle, die gerade keinen Ton einschalten können – im Bus, im Wartezimmer oder neben einem schlafenden Kind.

7. Fehlende Tastaturnavigation

Nicht alle Menschen navigieren Websites mit einer Maus. Manche nutzen nur die Tastatur – zum Beispiel Menschen mit motorischen Einschränkungen. Eine barrierefreie Website sollte so aufgebaut sein, dass man sich mit der Tab-Taste durch alle wichtigen Elemente navigieren kann.

Das klingt technisch, ist bei gut aufgebauten Squarespace-Websites aber häufig schon gut gelöst – solange man keine Elemente auf eine Art einfügt, die das untergrabt.

 

5. Was du konkret prüfen lassen kannst

Du musst das alles nicht selbst durchführen – und du musst auch keine Webentwicklerin werden. Aber es hilft, zu wissen, worauf es ankommt. Denn dann kannst du gezielt nachfragen, prüfen lassen – oder einfach verstehen, was auf deiner Website gerade los ist.

1. Kontrast

Schau dir deine Website mal mit etwas Abstand an. Ist der Text gut lesbar – auch auf dem Handy, auch in hellem Licht? Wenn du dir unsicher bist, kann ich das im Rahmen einer Website-Analyse für dich prüfen.

2. Alt-Texte

Bilder auf deiner Website sollten alle einen beschreibenden Alt-Text haben. Das ist eine kleine Sache – aber eine, die sich sowohl für Barrierefreiheit als auch für dein SEO-Ranking auszahlt.

3. Links

Gibt es auf deiner Website Buttons oder Links, die nur Hier klicken oder Mehr sagen? Das lässt sich schnell und einfach anpassen – und macht einen echten Unterschied für Screenreader-Nutzerinnen und Nutzer.

4. Formulare

Sind die Felder in deinem Kontaktformular beschriftet? Auch das ist ein Punkt, den man leicht übersieht – und der sich unkompliziert beheben lässt.

5. Handy-Test

Öffne deine Website auf dem Smartphone und schau sie dir in Ruhe an. Ist alles gut lesbar? Sind die Buttons groß genug? Oft sieht man so auf einen Blick, wo es hakt.

6. Schriftgröße

Fließtext sollte auf allen Geräten mindestens 16px groß sein. Klingt klein – aber der Unterschied im Lesekomfort ist deutlich spürbar.

Du fragst dich, wie deine Website in diesen Punkten abschneidet? Genau das schaue ich mir in meiner kostenlosen Website-Analyse gemeinsam mit dir an.

Eine Hand hält ein Smartphone und tippt mit dem Finger auf einen Button auf dem Display. Barrierefreie Websites haben gut erreichbare, große Buttons – auch für die einhändige Bedienung.
 

6. Barrierefreie Website und SEO: Der unerwartete Bonus

Hier kommt etwas, das viele überrascht: Viele Maßnahmen, die deine Website barrierefrei machen, helfen gleichzeitig auch deiner Auffindbarkeit bei Google. Laut einer Semrush-Studie von 2025 verzeichneten WCAG-konforme Seiten 23 % mehr organischen Traffic und rankten für 27 % mehr Keywords als nicht-konforme Seiten.

Alt-Texte

Google kann Bilder nicht sehen. Was Google liest, ist der Alt-Text. Wer gute Alt-Texte schreibt, hilft Suchmaschinen zu verstehen, was auf dem Bild zu sehen ist – und kann damit auch in der Bildersuche besser gefunden werden.

Beschreibende Links

Suchmaschinen analysieren Linktexte, um zu verstehen, worauf ein Link zeigt. Hier klicken sagt Google nichts. Mehr über meine Angebote für Coaches erfahren – das schon. Barrierefreiheit und SEO arbeiten hier Hand in Hand.

Strukturierte Inhalte

Klare Überschriftenhierarchien (H1, H2, H3), gut strukturierter Text, kurze Absätze – das alles macht deine Website leichter lesbar für Suchmaschinen und für Menschen gleichermaßen. Screenreader und Google-Bots brauchen dieselben klaren Strukturen.

Mobile Optimierung

Google bewertet mobile Websites bevorzugt (Mobile First Indexing). Eine Website, die auf dem Handy gut nutzbar ist, rankt tendenziell besser – und ist gleichzeitig für mehr Menschen zugänglich.

Mit anderen Worten: Wer seine Website barrierefrei macht, verbessert automatisch auch seine SEO. Wenn du an der einen Schraube drehst, dreht sich die andere oft von selbst mit.

 

✅ Quick-Check: Ist deine Website barrierefrei?

Darauf musst du achten:

☐ Ausreichend Kontrast zwischen Text und Hintergrund (mind. 4,5:1)?

☐ Alle Bilder haben einen sinnvollen Alt-Text?

☐ Links sind beschreibend formuliert (nicht nur Hier klicken)?

☐ Formularfelder haben sichtbare Labels?

☐ Die Website ist auf dem Handy gut nutzbar (mobile Optimierung)?

☐ Fließtext ist mindestens 16px groß?

☐ Videos haben Untertitel (falls vorhanden)?

Weniger als 5 Häkchen? Dann lohnt sich ein genauerer Blick auf deine Website.

 

7. Barrierefreiheit ist keine Checkliste, sondern eine Haltung

Ich möchte zum Schluss noch etwas sagen, das mir wichtig ist.

Barrierefreiheit wird manchmal als lästige Pflicht wahrgenommen. Als eine Reihe von technischen Anforderungen, die man eben abhaken muss. Für mich ist das die falsche Einstellung.

Eine barrierefreie Website ist Ausdruck davon, dass du alle Menschen, die zu dir kommen, willkommen heißt. Nicht nur die, die jung und gesund sind und deine Seite nur auf einem Desktop-Computer sehen.

Das passt zu dem, was ich in meiner Arbeit erlebe: Die besten Websites sind die, die wirklich für die Menschen gemacht wurden, die sie benutzen. Nicht für den Screenshot im Portfolio. Nicht für den Award. Sondern für den echten Menschen, der an einem Dienstag Abend auf dem Sofa sitzt, deine Seite öffnet und wissen will, ob du ihm helfen kannst.

Diese Person verdient eine Website, die sie wirklich abholt – ganz gleich, wie sie die Seite gerade nutzt.

 

Barrierefreiheit im Web ist kein Thema nur für Großunternehmen. Eine barrierefreie Website ist relevant für jede Website, die von echten Menschen besucht wird – also auch für deine.

Die gute Nachricht: Du musst nicht alles auf einmal perfekt machen.

Schau dir den Quick-Check oben an: Ist deine Website schon barrierefrei? Wenn du dir nicht sicher bist: In meiner kostenlosen Website-Analyse schauen wir gemeinsam auf deine Seite – auch darauf, wo noch Potenzial für mehr Zugänglichkeit liegt.

 

Hier findest du noch mehr Wissenswertes über Websites und das Businessleben 👇

Weiter
Weiter

Websites für Arztpraxis, Therapiepraxis & Coaching – Was Patienten und Klienten brauchen, bevor sie anrufen